Celestron Firstscope 60 AZ

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Ein Testbericht von Klaus Mödinger 13.02.2002

1. Einleitung

Celestron Firstscope 60 AZ (104 KB) Das Celestron Firstscope 60 AZ ist ein kleiner Refraktor der untersten Preisklasse mit 60 mm Objektivdurchmesser (Achromat mit Luftspalt) und einer Brennweite von 700 mm. Er ist auf einem Aluminiumstativ azimutal montiert. Der Okularauszug hat 31,8 mm. Das Gerät wird in China gefertigt, ist vermutlich also eines der allgegenwärtigen Synta-Teleskope.

Ich bestellte das Gerät an einem Donnerstag für 109.- EUR zuzügl. 7.- EUR Versandkosten per E-Mail beim Teleskop-Service. Schon am folgenden Montag klingelte der UPS-Bote mit einem Karton bewaffnet an meiner Tür.

Das Bild links (Anklicken für größeres Bild - ca. 100 KB) ist ein Scan von der Verpackung.

2. Lieferumfang

Alle Teile waren sorgfältig verpackt, vollständig und unbeschädigt. Als unerwartete Zugabe (auf der Web Site des Anbieters unerwähnt) lag eine CD-ROM mit der Astro-Software "The Sky - Level 1" im Karton. Das mitgelieferte Zubehör besteht aus:
Okulare (54 KB) Die Okulare mit 31,8 mm Einsteckdurchmesser haben Gummiaugenmuscheln und kommen in praktischen, verschließbaren Kunststoffbehältern. Sie machen einen überraschend hochwertigen Eindruck, das Einblickverhalten könnte jedoch besser sein. Selbst beim 20 mm ist der Augenabstand mit geschätzten 8 mm doch sehr gering. Das scheinbare Gesichtsfeld des 20 mm ist mit geschätzten 50 Grad angenehm groß, das des 10 mm mit etwa 40 Grad deutlich kleiner.

In jedem Fall sind die Okulare um Welten besser als die in dieser Preisklasse oft gesehenen 24,5 mm Huygens-Krankheiten aus Plastik.

Den Umkehrlinsensatz darf man für astronomische Beobachtungen getrost vergessen, ein Test an Jupiter zeigte ein größeres, dafür weniger kontrastreiches Bild. Möglicherweise kann er gewinnbringend bei der Trennung enger Doppelsterne oder bei der Beobachtung des Mondes eingesetzt werden, ein diesbezüglicher Test steht wegen der zur Zeit ungünstigen Wetterbedingungen (und wegen der Mondphase ;-) noch aus.

2.1 Zusammenbau des Teleskops

Der Zusammenbau beschränkt sich auf die Montage des Stativs, dem Befestigen des Tubus in der Montierungsgabel und dem Anbringen des Star Pointer-Suchers.

Die Bedienungsanleitung ist auf Englisch verfasst. Wer damit seine Schwierigkeiten hat, sollte die Montage auch ohne erklärenden Text anhand der Explosionszeichnung (oder ganz ohne Hilfsmittel) schaffen. Es ist wirklich nicht schwieriger als ein einfaches IKEA-Möbel zu montieren.

Verwirrend ist die Anleitung bezüglich des Suchers, da sich der Text offensichtlich auf ein früher zum Teleskop gehörendes Sucherfernrohr bezieht und bezogen auf den Star Pointer (siehe Abschnitt 4.1schlicht falsch ist.


3. Mechanik

3.1 Okularauszug

Der Okularauszug sieht auf den ersten Blick wie Metall aus, ist jedoch aus Kunststoff. Er nimmt Okulare im mit 31,8 mm-Steckhüse auf. Er arbeitet weich und ohne spürbares Spiel. Zwei Feststellschrauben am Auszugsende halten das Okular sicher fest. Eine Blende im Inneren verhindert störendes Streulicht.

3.2 Tubus

Der Tubus ist aus Aluminium und außen ansprechend schwarz glänzend lackiert. Innen ist er matt schwarz. Im hinteren Bereich ist eine Streulichtblende eingebaut.

3.3 Stativ

Das Stativ aus Aluminium ist sauber verarbeitet, für meinen Geschmack jedoch zu leicht. Für das Teleskop jedoch auf jeden Fall ausreichend dimensioniert. Die Stabilität dürfte sich bei der Verwendung im Freien auf einer Wiese deutlich erhöhen, wenn die "angespitzten" Enden ins Erdreich gedrückt werden. Getestet habe ich das noch nicht.

3.4 Montierung

Wie zu erwarten, der größte Schwachpunkt des Teleskops. Die Azimut-Verstellung funktioniert brauchbar. Die Höhenverstellung läßt jedoch keine rechte Freude aufkommen. Sie arbeitet zäh und um eine bestimmte Höhe einzustellen, muss man zunächst "über das Ziel hinausschießen", um dann zu hoffen, dass das Rohr den richtigen Betrag zurückfedert.


4. Optik

Der erste Star-Test war eine Enttäuschung. Das Zentrum der Beugungsringe lag nicht konzentrisch in der Mitte, sondern sehr weit außen am Rand, intra- wie extrafokal.

Eine nähere Untersuchung zeigte dann, dass der Schraubring, der das Objektiv in der Fassung hält, bei weitem zu kräftig angezogen war und die oben liegende Sammellinse des Zweilinsers dadurch verspannte. Ich lockerte den Ring und zog in gefühlvoll wieder an.

Der Erfolg dieser Maßnahme zeigte sich sofort. Die Beugungsringe waren nun fast konzentrisch, mit einem leichten Unterschied innerhalb und außerhalb des Fokus. Das Synta-Objektiv ist ganz sicher kein Zeiss, aber das ist bei dem Preis auch nicht zu erwarten.

4.1 Der "Star Pointer"-Sucher

Star Pointer (10 KB) Teleskope in dieser Klasse sind oft mit einem de fakto unbrauchbaren Sucher 5x24 ausgestattet, dessen Objektiv obendrein oft noch auf ca. 15 mm abgeblendet ist, wohl um die Farbfehler der einfachen Sammellinse nicht gar zu deutlich zu offenbaren.

Das Firstscope geht mit dem "Star Pointer" einen anderen Weg. Auf einer Glasscheibe, durch die man in Richtung des gewünschten Beobachtungsobjekts blickt, wird mittels einer Leuchtdiode ein roter Punkt abgebildet.

Die Helligkeit des Punktes ist über ein Poti mit integriertem Ein-/Ausschalter regelbar. Auch in der dunkelsten Einstellung finde ich die Helligkeit noch zu hoch für das exakte Anpeilen lichtschwacherer Sterne. Bei helleren Zielen (so ab 4 bis 3 mag) funktioniert der Sucher gut.

Nicht vergessen werden sollte das Auschalten des Suchers nach dem Ende der Beobachtungen. Die Anleitung empfiehlt sogar das Ausschalten zwischen zwei Suchvorgängen.

Insgesamt ist der Sucher meiner Meinung nach eine deutliche Verbesserung gegenüber den oben erwähnten 5x24-Versionen.


5. Beobachtungen

5.1 Orionnebel

Im 20 mm-Okular erstaunlich viel Struktur. Macht Spaß. Bei 70x mit dem 10 mm-Okular sind alle vier Sterne des "Trapez" saubere, nadelfeine Punkte.

5.2 Jupiter

Die zwei Hauptbänder sind auch unter schlechteren Sichtbedingungen immer zu sehen. Der Kontrast wirkte etwas flau, allerdings gab zur selben Zeit auch ein zu Vergleichszwecken aufgebauter 90/1000-Refraktor nicht allzuviel her, sodass das auch am Himmel gelegen haben mag.

5.2.1 Ergänzung vom 17.02.2002

Bei den folgenden Beobachtungen verwendete ich eine 2x-Barlowlinse, (Meade #126). In Verbindung mit den 10er-Okular ergibt das am Firstscope eine 140-fache Vergrößerung. Eigentlich schon zuviel für das Synta-Objektiv, ich fand das größere Bild jedoch angenehmer und die Bildqualität noch tragbar. Dennoch wäre ein 6er-Okular (117x) vermutlich sinnvoller gewesen.

Um 22h30 UT konnte ich den Schattenwurf des Mondes Europa sehr sicher als winziges schwarzes Pünktchen auf der Planetenscheibe erkennen.

Von 23h20 UT bis 23h50 UT kämpfte ich mit dem Großen Roten Fleck. Ich hatte mich vorher am 90/1000-Refraktor von seinem korrekten Zustand überzeugt und wollte nun sehen, ob er auch im Firstscope identifiziert werden kann.

Es gab Momente am Okular des kleinen Celestron-Teleskops, in denen ich sicher glaubte, den GRF erkannt zu haben, dazwischen längere, von Erfolglosigkeit geprägte Phasen. Der Fleck ist zur Zeit sehr blass, ich würde ihn eher als helleres "Loch" im dunkel erscheinenden, südlichen Äqatorialband beschreiben. Auf jeden Fall kein einfaches Objekt für das Firstscope und alles andere als spektakulär.

Ein weiteres schmales Wolkenband, das NTB (North Temporate Belt), war in Momenten guten Seeings schön auszumachen.

5.3 Saturn

Ring sehr schön zu sehen, ein breites Wolkenband erahnbar. Von der Cassini-Teilung keine Spur, auch nicht mit einer probeweise verwendeten 2x-Barlow-Linse (Meade Short Barlow).

5.4 Alpha Gem

Bei 70x im 10er-Okular deutlich getrennt. Sauber definierte Sternscheibchen.

5.5 Gamma Leo

Bei diesem Doppelstern verglich ich das Firstscope noch mit zwei anderen Fernrohren. Die Konkurrenten waren ein Zeiss Jena 50/540 sowie ein Vixen Sirius 50L (50/800). Alle drei Teleskope konnten den Doppelstern sicher trennen.

Am saubersten definiert fand ich die Abbildung im Zeiss, unwesentlich schlechter die im Celestron. Mit deutlicherem Abstand belegte das Vixen den letzten Platz im Rennen.

Anmerkung am Rande: Gegen die "Montierung" des Vixen-Rohrs ist die des Celestron richtiggehend angenehm. Die Qualität der Vixen-Instrumente in den mittleren und höheren Preissegmenten ist bekanntermaßen gut - mit dem Sirius 50L tut sich die Firma meines Erachtens keinen Gefallen, zu leicht könnte man von dessen Qualitäten auf das Gesamtangebot der Firma schließen.

5.4 Mond

Der Mond ist eines der dankbarsten Beobachtungsobjekte für ein kleines Teleskop. Das Firstscope zeigt eine Fülle von Details und ist für viele schöne Beobachtungsstunden gut. Mit einer Digitalkamera lassen sich auch auf einfache Weise Fotos des Erdtrabanten schießen.


6. Zusammenfassung

Für 109.- EUR bekommt der Käufer mit dem Celestron 60 AZ ein mit Abstrichen (Montierung) brauchbares Einstiegsteleskop. Wer wirklich nicht mehr Geld ausgeben kann oder will, erhält mit diesem Gerät einen ordentlichen Gegenwert.

Unbedingt sollte der Käufer prüfen, dass der Schraubring der Objektivfassung nicht zu fest "angeknallt" ist und diesen im Fall des Falles lockern. Natürlich mit der nötigen Umsicht (Tubus senkrecht stellen).

Eine angenehme Überraschung waren die in dieser Preisklasse erstaunlich guten Okulare.

Zuletzt aktualisiert am 09.12.2006.